Femännliche Womänner

Im Sprachlog beschäftigt sich Anatol Stefanowitsch heute zur Abwechslung mal mit den Geschlechtsproblematiken der englischen Sprache. Er hat schon recht, dass es dort sehr viel weniger Kritikpotential gibt als im Deutschen. Vielleicht ist deshalb die dortige Feministische / Queer- / Gender- / LGBTQ- / Hastenichgesehn-Sprachkritik auch je nach Sichtweise weiter oder abgedrehter als hierzusprache, wie die diskutierte Idee der individualisierten Personalpronomen zeigt. Es gibt aber ein morphologisches Problem im Englischen, das wir im Deutschen nicht haben und das eher selten thematisiert wird.

Was oder wen auch immer man unter dem Begriff Frau (in Opposition zu Mann) versteht, im Englischen entspricht dem weitestgehend woman (und man). Die Frau ist also nur ein durch Präfix markierter Spezialfall (wo+man). Man könnte jetzt argumentieren, dass ähnlich dem fehlenden Pendant zum deutschen Movem -in das unmarkierte man sowohl geschlechtlich nicht spezifizierte Menschen (wie in man+kind) bezeichnet als auch männliche (wie phrasal in men and women). Es gibt allerdings außerdem human, also diachron betrachtet ein unverdächtiger Romanismus (Gallizismus oder Latinismus), der synchron aber auch als natives Derivat hu+man angesehen werden kann und durchaus als Substantiv verwendet wird (auch wenn deutsche Englischlehrer auf human being bestehen), allerdings mit regulärem Plural humans und nicht *humen. Außerdem sind ambige Generika in der Sprachkritik allgemein unbeliebt, wie u.a. die vielen entsprechenden Artikel (v.a. von Stefanowitsch) im Sprachlog und seinen Vorgängern zeigen.

Deshalb würde ich, wenn ich englischer Sprachfeminist wäre (und nicht auf Neutralisierung setzte), ein neues Lexem fordern und zu prägen versuchen! Ich wäre für *wom, obwohl es der Herkunft nach natürlich immer noch motiviert (nämlich einfach nur gekürzt) ist, aber der Morph {man} taucht eben nicht mehr offensichtlich auf. Der natürliche Plural wäre *woms, aber als Analogbildung zu (wo)men wäre auch *wem denkbar. Alternativ könnte man selbstverständlich auch versuchen, ein männliches Präfix einzuführen, also bspw. *heman – bessere Vorschläge erwünscht!

Ein ähnliches Problem stellt sich außerdem beim Adjektivpaar male : female (vgl. masculine : feminine), hier fehlt aber der dritte Mitspieler und die generische Verwendung von male. Daher würde ich pauschal den Neologismus *fele vorschlagen, obgleich es ein gleich geschriebenes Wort bereits gibt, das aber stark veraltet ist, und die Aussprache an feel erinnert, also Weiblichkeit mit Gefühlen assoziiert – jedenfalls besser als *fale → fail.

Auch im Deutschen sind die Adjektive etwas problematisch, aber aus ganz anderem Grund, denn dem Substantivpaar für Menschen Mann : Frau steht männlich : weiblich zur Seite, das sich auch bei Tieren mit Männchen : Weibchen findet. Auch das deutsche Anredeproblem mit Herr : Frau (statt Herr : Dame, Mann : Frau oder Herr : Herrin) ist nichts gegen die englische mess.

Bei den englischen Personalpronomen he, him, his : she, her, hers gibt es zwar auch morphologische Diskrepanzen, die aber meiner Meinung nicht  kritik- oder korrekturbedürftig sind, da kein Geschlecht als Prototyp gilt. Ich stehe individuellen Pronomen im Übrigen in etwa so kritisch gegenüber wie kreativer Eigennamenorthographie, weswegen ich »S. E. Smith« geschrieben hätte.

PS: Alle Puns sind natürlich intendiert.

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